Die 20 größten Quellen von Mikroplastik – Platz 1 wird Sie überraschen
Hitze, PET-Flaschen und unsichtbarer Kunststoff
Die 20 größten Quellen von Nanoplastik im menschlichen Körper
Mikro- und Nanoplastik sind längst nicht mehr nur ein Problem der Ozeane oder Mülldeponien.
Sie wurden bereits im menschlichen Blut, in der Lunge, in der Plazenta und sogar im Gehirngewebe nachgewiesen. Die wichtigste Frage lautet heute nicht mehr, ob wir Plastik aufnehmen. Die eigentliche Frage lautet: Wie viel?
Einige Plastikquellen sind so gering, dass der Körper sie wahrscheinlich wirksam ausscheiden kann. Andere alltägliche Quellen stellen jedoch eine überraschend hohe Belastung dar, insbesondere bei Hitze. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, welche Quellen am problematischsten sind.
Die 20 größten Quellen von Mikro- und Nanoplastik im menschlichen Körper
(Sortiert nach der potenziellen Intensität der Plastikmigration)
| Platz | Quelle | Ungefähre Menge | Migrationsintensität |
| 1 | Teebeutel aus Kunststoff | Ca. 17 Milliarden Partikel pro Tasse | EXTREM HOCH |
| 2 | Pappbecher mit Kunststoffbeschichtung | 25.000 – 1.000.000+ pro Becher | SEHR HOCH |
| 3 | Babyflaschen aus Kunststoff | Bis zu 16 Millionen Partikel pro Liter | SEHR HOCH |
| 4 | In der Mikrowelle erhitzter Kunststoff | Hunderttausende – Millionen | SEHR HOCH |
| 5 | Überhitzte PET-Flaschen | 10 – 100-mal mehr als kaltes PET | SEHR HOCH |
| 6 | Kunststoff-Wasserkocher | Zehntausende+ | HOCH |
| 7 | Kaffeemaschinen mit Kunststoffsystemen | Tausende – Zehntausende | HOCH |
| 8 | Einweg-Kunststoffbehälter | Tausende – Hunderttausende | HOCH |
| 9 | Synthetische Kleidung | Tausende Fasern täglich | HOCH |
| 10 | Schneidebretter aus Kunststoff | Hunderttausende pro Jahr | MITTELHOCH |
| 11 | Synthetische Teppiche | Tausende eingeatmete Fasern | MITTELHOCH |
| 12 | Sportbekleidung | Hohe Faserfreisetzung | MITTELHOCH |
| 13 | Hausstaub | Tausende täglich | MITTEL |
| 14 | Kaugummi | Synthetische Polymere | MITTEL |
| 15 | Kunststoff-Lebensmittelbehälter | Tausende+ | MITTEL |
| 16 | Kaffeekapseln | Tausende | MITTEL |
| 17 | Feuchttücher | Mikrofasern | MITTEL |
| 18 | Kalte PET-Flasche | Tausende pro Liter | NIEDRIG |
| 19 | Glasflasche mit Kunststoffverschluss | Deutlich geringer als PET | SEHR NIEDRIG |
| 20 | Flaschen mit Soft-Touch-Kunststoffbeschichtung | Langfristiger mechanischer Abrieb | NIEDRIG |

Wasser ist nicht die größte Quelle von Mikroplastik
In der Öffentlichkeit wird am häufigsten über Plastik in Wasserflaschen gesprochen. Neueste Studien zeigen jedoch, dass eine der größten Quellen von Mikroplastik im menschlichen Körper möglicherweise die Raumluft ist. In Wohnungen, Büros und Autos sammeln sich:
- Fasern aus synthetischer Kleidung
- Teppichpartikel
- Möbelbeschichtungen
- Kunststoffstaub
Der Mensch nimmt diese Partikel nicht nur über die Nahrung auf.
Er atmet sie auch ein.
Besonders in:
- Schlecht belüfteten Räumen
- Autos
- Schlafzimmern mit synthetischen Textilien
- Räumen mit vielen Textilien
Polyester ist eigentlich Kunststoff
Polyester, Nylon und Acryl sind synthetische Polymere. Einfach ausgedrückt – Kunststoff in Form von Stoff.
Jedes Mal, wenn Sie:
- Kleidung waschen
- Sportbekleidung tragen
- In synthetischer Bettwäsche schlafen
setzen diese Stoffe Mikrofasern frei.
Ein Teil gelangt ins Wasser.
Ein Teil gelangt in die Luft, die wir einatmen.
Besonders viele Fasern werden freigesetzt von:
- Sportbekleidung
- Fleecestoffen
- Synthetischen Decken
- Teppichen
- Fahrzeuginnenräumen

Babyflaschen aus Kunststoff – Das große Paradox
Die meisten Babyflaschen werden als „hitzebeständig“ hergestellt. Sie bestehen in der Regel aus Polypropylen (PP) oder BPA-freien Kunststoffen.
„Hitzebeständig“ bedeutet jedoch nicht, dass sie keine Mikro- oder Nanoplastik freisetzen.
Es bedeutet lediglich, dass das Material:
- Nicht schmilzt
- Sich nicht verformt
- Seine mechanische Form auch bei höheren Temperaturen beibehält
Eine 2020 in Nature Food veröffentlichte Studie zeigte, dass Babyflaschen aus Polypropylen bei der Zubereitung von Säuglingsnahrung mit heißem Wasser Millionen von Mikroplastikpartikeln pro Liter freisetzen können. Je heißer das Wasser, je kräftiger geschüttelt wird, je häufiger sterilisiert wird und je mehr wiederholte Erwärmungszyklen stattfinden, desto stärker ist die Freisetzung von Kunststoffpartikeln.
Das bedeutet, dass selbst moderne BPA-freie Kunststoffe nicht vollständig inert sind.
Deshalb empfehlen Fachleute:
- Die Flasche nach der Sterilisation mit kühlerem Wasser auszuspülen
- Kochendes Wasser nicht direkt in die Kunststoffflasche zu gießen
- Die Säuglingsnahrung zunächst in einem Glasbehälter zuzubereiten
- Erst danach in die Babyflasche umzufüllen

Das Paradox, das den meisten Menschen nicht bewusst ist
Viele Menschen vermeiden PET-Flaschen. Gleichzeitig trinken sie jedoch täglich Tee aus Kunststoff-Teebeuteln. Gemessen an der Anzahl der Partikel kann ein einziger Kunststoff-Teebeutel mit mehr als 100.000 kalten (ordnungsgemäß gelagerten) PET-Flaschen vergleichbar sein.
Man kann jahrelang versuchen, gesund zu leben, und trotzdem jeden Morgen einen Kunststoff-Teebeutel in die Tasse legen und ihn mit kochendem Wasser übergießen.
Das ist, als würde man sich Sorgen machen, nass zu werden, während man unter einem Wasserfall steht.
Der Geschmack von „verbranntem“ Wasser
Jeder sollte den Geschmack von „verbranntem“ Wasser erkennen können. Drücken Sie eine Kunststoffflasche zusammen und riechen Sie an der Luft, die aus ihr entweicht. Wenn Sie einen leichten Geruch nach Alkohol oder künstlicher Zitrone wahrnehmen, wurde das Wasser sehr wahrscheinlich überhitzt. Dieser Geschmack ist nicht nur ein ästhetisches Problem.
Er ist häufig ein Hinweis darauf, dass die Kunststoffstruktur begonnen hat, sich zu zersetzen.
Hitze beschleunigt:
- Die Freisetzung von Antimon aus PET
- Die Bildung von Acetaldehyd
- Die Migration von Mikro- und Nanoplastik ins Wasser
Erfahrene Wasserkenner erkennen diesen Geschmack sofort.

PET-Kunststoff – Ein „atmungsaktives“ Material
PET-Flaschen sind nicht vollständig luftdicht. Sie sind teilweise gasdurchlässig oder mit anderen Worten „atmungsaktiv“. Das bedeutet, dass flüchtige Verbindungen aus der Umgebung den Flascheninhalt im Laufe der Zeit beeinflussen können.
Deshalb findet sich auf Wasserflaschen häufig der Hinweis: „Nicht in der Nähe starker Gerüche oder flüchtiger Stoffe lagern.“
Im Sommer wird diese Eigenschaft besonders wichtig. An Tankstellen werden Wasserflaschen häufig direkt neben Zapfpistolen und heißem Asphalt gelagert. Bei hohen Temperaturen wird PET chemisch aktiver, wodurch bei längerer Einwirkung aromatische Verbindungen leichter in den Flascheninhalt übergehen können. Im Sommer ist daher nicht nur die Herkunft des Wassers entscheidend, sondern auch die Bedingungen, unter denen es gelagert wurde.
Fahrzeuginnenraum – Eine Mikroplastik-Kammer auf Rädern
Ein großer Teil der Materialien im Innenraum moderner Fahrzeuge besteht aus synthetischen Werkstoffen, darunter:
- Sitzbezüge
- Armaturenbretter
- Teppiche
- Kunststoffverkleidungen
Bei Hitze steigen die Emissionen dieser Materialien erheblich an. Deshalb wird der Fahrzeuginnenraum im Sommer nicht nur heißer, sondern auch chemisch aktiver. Genau dort lassen viele Menschen ihre Wasserflaschen liegen.
Die Kombination aus:
- Hitze
- Kunststoff
- UV-Strahlung
- Geschlossener Umgebung
schafft besonders aggressive Bedingungen für den Abbau von Kunststoffen.

Was passiert im Sommer?
Im Sommer kann die Temperatur im Fahrzeuginnenraum 70 °C überschreiten. Ab diesem Punkt beginnt PET-Kunststoff zu „ermüden“.
Deshalb sollte man im Sommer:
- Kein Wasser im Fahrzeuginnenraum liegen lassen
- Flaschen nicht in direkter Sonneneinstrahlung lagern
- Keine überhitzten Flaschen von Außenständen kaufen
- Wasser nicht über längere Zeit in der Nähe von Tankbereichen lagern
Flaschen sollten besser aufbewahrt werden:
- Im Schatten
- Im Kofferraum
- In einem kühlen Raum
Ein wichtiger methodischer Aspekt in der Wasserforschung
Ein Teil der Studien über Mikroplastik in Flaschenwasser untersuchte Massenmarkt-Wässer, die aus stark aufbereiteten Wasserquellen stammen und verschiedenen Filtrationsverfahren unterzogen wurden.
Natürliches Mineralwasser aus geschützten unterirdischen Quellen wird dagegen in der Regel nicht mit Umkehrosmose behandelt.
Das ist wichtig, weil:
- Die Herkunft des Wassers
- Die Aufbereitungstechnologie
- Die Filtersysteme
- Der Abfüllprozess
das Endergebnis erheblich beeinflussen können.
Deshalb sind künftig detailliertere Vergleichsstudien zwischen natürlichen Mineralwässern und technologisch intensiv aufbereiteten (künstlichen) Wässern erforderlich, die meist als Trinkwasser gekennzeichnet sind.
Mikroplastik gelangt in die Nahrungskette
Mikroplastik gelangt nicht nur über Verpackungen in Lebensmittel.
Es kann auch entstehen durch:
- Produktionslinien und industrielle Verarbeitungsprozesse
- Kunststoff-Förderbänder und Abfüllsysteme
Studien zeigen, dass stark verarbeitete Lebensmittel häufig höhere Mengen an Mikroplastik enthalten als minimal verarbeitete Lebensmittel.
Mikroplastik wurde außerdem nachgewiesen in:
- Fischen
- Meeresfrüchten
- Obst
- Gemüse
- Getreide
Einige Pflanzen können Nanopartikel über ihre Wurzeln aus belastetem Boden und Wasser aufnehmen. Das bedeutet, dass Mikroplastik längst nicht mehr nur ein Verpackungsproblem ist.
Es entwickelt sich zu einem Problem der gesamten Nahrungskette.

Ist Leitungswasser frei von Kunststoff?
Leider nein.
Mikroplastik wird heute nachgewiesen in:
- Flüssen
- Seen
- Abwasser
- Regenwasser
- Trinkwassersystemen auf der ganzen Welt
Auch die Daugava bildet keine Ausnahme. In einer an der Technischen Universität Riga durchgeführten Studie einer Wissenschaftlerin aus Panama wurden Mikroplastikpartikel im Wasser der Daugava nachgewiesen. Die wichtigsten Quellen waren:
- Fasern aus synthetischer Kleidung
- Reifenabrieb
- Häusliches Abwasser aus Städten entlang des etwa 1.000 Kilometer langen Verlaufs der Daugava
- Kunststoffverpackungen

Darüber hinaus werden vielerorts alte Metallwasserrohre stolz durch Kunststoffrohre ersetzt. Diese Rohre sind für Trinkwassersysteme zertifiziert.
Doch „zertifiziert“ bedeutet nicht „vollständig inert“.
Heißes Wasser ist deutlich aggressiver als kaltes Wasser.
Und es fließt täglich, über viele Jahre hinweg, durch diese Rohre.
Genau deshalb werden folgende Fragen immer aktueller:
- Wie altern Kunststoffrohre?
- Wie verhalten sie sich langfristig?
- Wie stark nimmt die Migration von Mikro- und Nanopartikeln bei erhöhter Temperatur zu?
Derzeit gibt es noch vergleichsweise wenige Langzeitstudien zur Migration von Nanoplastik aus häuslichen Wassersystemen. Wasserqualitätsforscher betrachten dieses Thema jedoch als eines der nächsten wichtigen Forschungsfelder. Denn auch in der Lebensmittelproduktion wird „Leitungswasser“ verwendet.
Wie kann man Mikroplastik im Alltag reduzieren?
- Losen Tee statt Kunststoff-Teebeutel wählen.
- Für heiße Getränke Glas, Keramik oder Edelstahl verwenden.
- Speisen nicht in Kunststoffbehältern in der Mikrowelle erhitzen.
- Den Anteil synthetischer Stoffe im Alltag reduzieren.
- Kein Wasser aus PET-Flaschen trinken, die in der Sonne erhitzt wurden. Die Flasche vor dem Trinken immer riechen.
- Räume regelmäßig lüften und die Staubbelastung zu Hause reduzieren.
- Wasser im Sommer nur im Kofferraum transportieren und lagern, nicht im aufgeheizten Fahrzeuginnenraum.
Kann sich der Körper selbst reinigen?
Eine vollständige Antwort hat die Wissenschaft darauf noch nicht. Klar ist jedoch, dass der Körper einen Teil der Belastung ausscheidet über:
- Die Leber
- Die Nieren
- Den Darmtrakt
- Den Schweiß
Genau deshalb werden alle Prozesse besonders wichtig, die den Stoffwechsel und die natürlichen Reinigungssysteme des Körpers aktivieren.
Positiv wirken können:
- Regelmäßige Saunabesuche
- Körperliche Aktivität
- Eine gute Lymphzirkulation
- Ausreichende Wasseraufnahme
- Erholsamer Schlaf
Die Sauna ist kein „Wundermittel“, das Plastik aus dem Körper herausschmilzt.
Doch Schwitzen ist einer der natürlichen Ausscheidungsmechanismen des Körpers.
Das Grundprinzip ist einfach:
Die tägliche Plastikbelastung reduzieren und dem Körper helfen, effizienter zu arbeiten.

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Dan Volevah
Quellen
- Environment International Leslie HA et al. Discovery and quantification of plastic particle pollution in human blood, 2022.
- Environment International Ragusa A et al. Plasticenta: First evidence of microplastics in human placenta, 2021.
- Nature Food Li D et al. Microplastic release from the degradation of polypropylene feeding bottles during infant formula preparation, 2020.
- Environmental Science & Technology Hernandez LM et al. Plastic Teabags Release Billions of Microparticles and Nanoparticles into Tea, 2019.
- Proceedings of the National Academy of Sciences Qian N et al. Rapid single-particle chemical imaging of nanoplastics by SRS microscopy, 2024.
- World Health Organization Microplastics in Drinking Water, 2019.
- American Academy of Pediatrics Vehicle cabin temperature studies, 2020.
- https://www.rtu.lv/lv/dtf/mlkf-zinas/atvert/zinatniece-no-panamas-veicot-petijumu-rtu-atklaj-mikroplastmasas-dalinas-daugavas-udeni-1
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37935064/
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40518066/
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31552738/
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35367073/
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38289746/
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